Leben ohne Google?
Es ist schon irre. Kaum ein Tag vergeht ohne News über Google. Entweder ein neuer Dienst wird angekündigt oder ein Rechtsstreit angefangen.
Klar, große Firmen haben es bei all den Patenten und Gesetzten selbst mit einer großen Rechtsabteilung nicht leicht.
Das tolle an Google: Alles ist umsonst. Wirklich?
Googles Haupteinnahmequelle, die Werbung, ist ja bekannt. Also nicht ganz umsonst.
Viel höher ist für den Nutzer aber der Preis für den Verlust seiner Privatsphäre. Wer garantiert mir, dass Google mein Nutzungsprofil irgendwann wieder löscht und nicht gar mit anderen Google-Diensten abgleicht.
Sollte dies eines Tages geschehen, wären wir für Google wirklich gläserne Nutzer.
Hier einmal eine Liste was im Worst Case alles über uns bekannt ist:
Google Suche: Alles was wir ins Suchfeld tippen und anklicken und weil man oft nach dem Schmökern wieder zurückkehrt und einen weiteren Begriff sucht oder eine andere Ergebnisseite anklickt auch welche Themen uns besonders interessieren.
Mit der IP-Änderung und Löschung der Cookies lässt sich der Nutzer dann nicht weiter tracken.
Anders sieht das aus, wenn man den Google Chrome Browser nutzt.
Google Chrome: Hier hat der Browser eine eindeutige ID, die den Benutzer auch bei einer Änderung der IP immer identifizierbar macht. Selbst wenn man die ID abschaltet werden alle aufgerufenen Adressen und Suchen an Google übermittelt.
Wenn jetzt jede 2. Website Google Analytics verwendet ist einem mit einem anderen Browser allerdings auch nicht geholfen, sollte Google auf die Idee kommen, die Daten abzugleichen.
Google Earth / Maps: Bei diesem Dienst habe ich weniger Bedenken, allerdings könnte Google erfassen, welche Orte man sich öfter anschaut und natürlich bei Maps geplante Routen auswerten und so sehen, wo man hinfährt. Auch bei Google Earth gibt es einige Satellitenfotos von Leuten, die nackt im Garten liegen o.ä. was allerdings bei der geringen Auflösung unkritisch ist.
Problematischer ist StreetView, was zwar gerade für die geplanten 3D-Autonavigationsgeräte eine kinderleichte Orientierung ermöglicht, oft aber auch den vielleicht lieber geheim gewussten Aufenthaltsort von Passanten verrät oder Blicke durch Wohnzimmerfenster erlaubt.
Oft weiß man gar nicht, dass man fotografiert wurde und findet sich im schlimmsten Fall in zahlreichen Blog- und Foreneinträgen wieder (z.B. http://www.streetviewfun.com/).
Google Powermeter: Tolle Idee. Man ersetzt seinen alten Stromzähler durch einen mit Internetanbindung und Google bereitet die Verbrauchsdaten grafisch hübsch auf. So kann man Online sehen, wenn die Kaffeemaschine eingeschaltet wird oder das Licht angeht. Leider nicht nur Stromsparhilfe, sondern auch perfektes Überwachungstool. Dafür gabs vor kurzem erst den BigBrother Award
Google Picasa: Hier werden einem momentan 1GB Onlinespeicher geschenkt, um seine Fotos hochzuladen und zu tauschen. So hätte Google nicht nur eine IP, sondern dank Tags auch ein Gesicht dazu.
Google DNS: Seit der Stoppschildkampagne ist das Thema Fremd-DNS wieder etwas bekannter geworden. Google macht nun dem bisher größten freien DNS-Anbieter OpenDNS Konkurrenz. Geld lässt sich hier natürlich über Werbung auf Fehlerseiten die bei Falscheingabe von Adressen erscheinen verdienen. Die Sache ist aber, dass Google so auch den Gesamten Internetverkehr überwachen kann und nicht an die Datenschutzbestimmungen des eigenen deutschen Internetproviders gebunden ist.
Google Books: Google digitalisiert und Kauft elektronische Bibliothekenbestände auf, um sie online lesbar zu machen. Schmökert man in den Büchern, erfasst Google, welche Seiten gelesen werden und was am Rand notiert wird. Für viel User eher unproblematisch, urheberrechtlich aber heikel. Dennoch ein Modell, was bisherige Bibliotheken mit verstaubten Büchern dank augenschonender E-Book-Reader und Volltextsuche zügig ablösen wird.
Youtube: Wurde von Google wegen Scheiterns des eigenen Videodienstes gekauft und musste vor einiger Zeit in einem Urheberrechtsstreit IP-Adressen und Nutzernamen derjenigen herausgeben, die Videos des Medienkonzerns Viacom angesehen hatten.
Google Docs: Der Ersatz MS-Office, allerdings liegen alle Dokumente bei Google. Dass auch Google nicht unfehlbar ist zeigt ein Datenleck des Dienstes im letzten Monat, wo fremde Zugang zu den eigentlich als “privat” markierten Dokumenten erhalten hatten.
Chrome OS: Ein Betriebssystem, dessen Hauptfunktion es ist, den Internetzugang bereitzustellen. Sinn der Aktion ist klar. Die Daten liegen vollständig bei Google und der User muss darauf vertrauen, dass Internetverbindung und Google-Server funktionieren. Dafür startet der Rechner ein paar Sekunden schneller.
Google Calendar: Wenn Google durch seine anderen Dienste nicht schon weiß, was man so den lieben langen Tag treibt, dann spätestens, wenn man dort alle Termine speichert und evtl noch mit seinem Handy oder Notebook über Internetzugänge an verschiedenen Orten synchronisiert. Ein Datenleck, wie bei Google Docs ist hier ebensowenig ausgeschlossen.
Dies ist bei weitem noch keine vollständige Liste. Eins aber wird klar. Je mehr persönliche Daten man einem Fremden anvertraut, desto besser sollte man ihn kennen und ihm vertrauen. Wer bei Google speichert, speichert meist auf einem Server in den USA. Dort gilt ein lockereres Datenschutzgesetz. Vor menschlichem Versagen und Sicherheitslecks ist Google auch nicht sicher. Ich speichere den Großteil meiner Daten daher doch lieber auf meinem Eigenen Rechner und nicht in der Wolke.
Google geht mit dem Thema Datenschutz sehr offensiv um und hat kürzlich den Dashboard Dienst gestartet, wo man sich einen Überblick über alle gesammelten Daten verschaffen kann.
Ob aber mein Webprotokoll oder der Index meiner Mails, nachdem ich auf entfernen geklickt habe, oder das Mailkonto lösche, weiter auf irgendeinem Server schlummert, wird nur Google beantworten können.
Zum Thema Vorratsdatenspeicherung hatte Google mit einer Schließung von Google Mail in Deutschland gedroht, wobei Google mit der Erfüllung der Auflagen die geringsten Probleme haben dürfte.
Ich habe jetzt zumindest ein Mailhosting, bei dem ich sicher sein kann, dass, sollte es nicht gehackt werden, höchstens die Betreffzeile per richterlichem Beschluss öffentlich wird.
Von der Google Suche konnte ich mich allerdings nicht trennen, da Bing zwar Fortschritte macht, aber mangels Benutzern einfach noch keine so relevanten Ergebnisse wie Google liefert. Vielleicht bringt die Allianz mit Yahoo ja die Wende.
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Danke für die Infos!
Ein Grund mehr für mich, kein googlemail zu nutzen…